Hinter den Kulissen…

Die Messen sind vorbei und wir können uns endlich wieder in vollem Umfang unserer Geschäfte widmen. Fazit: In Amsterdam war schon ein deutlicher Rückgang der Frequenz in den Hallen zu erkennen, und auch in Deutschland waren die Messen sehr schlecht besucht. In Berlin haben wir ja (zum Glück) in diesem Jahr nicht ausgestellt – denn auch von dort haben wir aus vielen Mündern gehört, dass die Besucherzahlen deutlich zurückgegangen sind. Was ist nur los? Wir hören es ja auch von den vielen Einzelhändlern, die man auf den Messen trifft oder die wir als Kunden haben – es wird weniger Mode eingekauft! Woran liegt´s? Ein paar Dinge fallen mir ein: Schauen wir uns mal das Straßenbild an. Macht das mal – setzt euch ins Café und guckt euch die Menschen an. Ihr werde euch euer Bild machen. Schlabberlook! Jogginghose! Homewear! Und jetzt das Neuste – Adiletten!! Leute, das ist doch nicht euer ernst?! Was ist nur aus der Mode geworden?! Was sind wir froh, dass wir unsere treuen Kunden haben, die eben nicht diese seltsamen Trends mitmachen, sondern denen weiterhin viel daran liegt, auch zum Brötchen holen einen tollen Style zu tragen! Aber woran liegt´s noch? Ein weiterer Punkt ist das Internet. Fluch und Segen. Geht denn die Generation von morgen wirklich noch in die Stadt zum Einkaufen? Leider werden es immer weniger. Das Internet ist ein riesen Konkurrent zum stationären Handel. Ja, wir haben auch unseren Online-Shop. Wir haben uns lange gewehrt, aber es führt kein Weg mehr dran vorbei. Ich finde es nur wichtig, WIE man damit umgeht. Wir werden das Online-Geschäft nicht aus der Hand geben. Ich finde, die Lieferanten müssen dafür sorgen, dass in den Online-Shops eine Mindestkalkulation der Preise eingehalten wird. Das Produkt darf online niemals günstiger sein als im Geschäft. Und es darf nicht noch früher reduziert werden, als in den Geschäften! Das heißt nicht, dass das Produkt überteuert angeboten werden soll! Nein, es soll nur mindestens den Preis haben, den der Einzelhandel auch vergibt, so dass die Motivation doch noch da ist, auch mal in die Städte zum Shoppen zu gehen. Wir gehen nicht zu Amazon und nicht zu Zalando oder wie die alle heißen. Wir machen es alleine. WIR legen die Preise fest und WIR legen fest, wann reduziert wird. Wir werden unser Produkt nicht verramschen, wir wollen ein hochwertiges und vor allem ein besonderes Produkt bleiben.

Aber das eigentliche Hauptproblem sind die verrückten Reduzierungszeiten! Die Jahreszeiten verschieben sich immer mehr nach vorne und die Reduzierungen sind immer früher. Verrückt! Schauen wir uns doch nur mal diesen Sommer an. Die ersten fangen schon im April!!! an zu reduzieren. Jetzt haben wir Mitte August und der Hochsommer bleibt uns noch lange erhalten. Aber die Stores, die so früh reduziert haben, müssen ja Ware haben, damit sie wieder früh reduzieren können. Was für ein Quatsch! Jetzt haben die schon seit Juli den Strick auf den Flächen, der Sommer bleibt aber noch. Wie gesagt – die Jahreszeiten verschieben sich nach vorne. Heißt, wir haben noch bis in den Oktober rein warm. Dann lass es mal im gesamten Oktober und bis in den November rein warm bleiben und ab November fangen dann die Häuser wieder an zu reduzieren. Das ist total verrückt und der Endverbraucher weiß doch gar nicht mehr, was er machen soll. Warum soll man sich denn im Oktober eine Winterjacke kaufen, wenn es eh noch nicht so kalt ist und zwei Wochen später die Jacke um 30% reduziert ist?! Ach ja, erwähnt sei noch, dass viele der großen Häuser ja Vereinbarungen mit vielen Lieferanten haben, dass sie einen gewissen Prozentsatz (sagen wir beispielsweise 30%) der Ware am Ende der Saison wieder zurück schicken dürfen. Also quasi ein Kommissionskauf. Da kann man natürlich leicht früh reduzieren – geht die Ware nicht mit einem Nachlass über den Tresen, schicke ich sie halt wieder zurück. Ich steigere mich da gerade wieder rein – aber es ist leider so, dass die ganzen „Frühreduzierer“ die Branche kaputt machen.

Aber lasst mich noch ein paar Sätze über die Messen verlieren. Man hat deutlich gemerkt, dass die Stimmung nicht sonderlich gut ist. Ich weiß nicht, wie es die Agenturen machen. Personalkosten, Mietkosten, Reisekosten… und leben muss man ja auch noch. Die Agenturen arbeiten ja auf Provisionsbasis – d.h.,  für die bleiben ja nur um die 15% des Gesamtumsatzes. Und wenn man mal die Besucherzahlen vor 10, 15 Jahren nimmt und mit heute vergleicht, dann ist es offensichtlich, dass die Umsätze deutlich zurückgehen. Bei uns verhält sich das ein bisschen anders. Wir haben ja mehrere Standbeine (unsere Geschäfte und eigene Kollektion) und wir sind weder eine Agentur, da es unser eigenes Label ist, das wir vertreiben, noch haben wir eine Agentur beschäftigt, denen wir Provisionen abgeben müssen. Wir haben das übrigens auch schon probiert, aber das war jedesmal eine Totalkatastrophe. Bestimmt schon bei 15 Agenturen oder Vertretern in Deutschland und im europäischen Ausland hatten wir unsere Kollektion zum Vertrieb untergebracht. Wollt ihr wissen, wie die arbeiten? Die hängen die Kollektion in den Showroom und warten bis einer kommt und sagt „das möchte ich kaufen“. Na ja… es gibt bestimmt auch fleißige 😉 Viele Agenturen/Vertreter leben gedanklich noch in den Jahren, wo die Einkäufer richtig zugeschlagen haben und von alleine gekommen sind. Diese Zeiten sind aber vorbei. Heute muss man Vollgas geben, wenn man die Kollektion an den Einzelhandel bringen möchte.

Wir sind froh, dass wir unsere Stammkunden haben. Treue Kunden, die unser Produkt schätzen und die auch in schwierigen Zeiten weiter Gas geben. Meistens sind es die inhabergeführten Geschäfte, die sich was trauen und eben nicht nur dem Mainstream folgen. Es gibt so viele Einkäufer, die nur nach Namen einkaufen. Viele haben halt einfach nicht den Mut – oder ganz ehrlich nicht die Ahnung. Da stehen die Einkäufer dann vor mir und sagen „kenn ich nicht – kauf ich nicht“. Und dann gehen sie wieder zu den altbekannten (ohne Frage auch sehr gute) Lieferanten und das Sortiment im Laden gleicht dann wieder exakt den Sortimenten der Läden in den zwei Parallelstraßen und in den angrenzenden Orten…

Ja ja, es gibt schon Einkäufer… Leute, es gibt so viele tolle Läden in Deutschland! Das möchte ich ganz klar betonen! Aber es gibt leider auch so viele Einkäufer, die durch die Messehallen laufen und überhaupt gar keinen Geschmack haben. So geht unsereins nicht zum Bäcker, wie sich manche auf die Modemessen trauen. Auch immer wieder erfreulich sind die Einkäufer, die einen Termin machen und dann einfach nicht kommen. Ja, das ist wirklich wahr! Termin um 9:00 Uhr, du beeilst dich morgens, damit alles fertig und schön ist, wenn der Kunde kommt. Und dann kommt der nicht. Was macht man, wenn man es zu einem Termin nicht schafft? Man ruft an und sagt „ich schaffe es nicht“. Und das ist wirklich nicht die Ausnahme! Auch von unseren Kollegen hören wie es immer wieder. Die Einkäufer machen Termine und kommen einfach nicht, ohne eine Meldung. Ich finde das ein absolut respektloses NoGo. Das ist ein arrogantes Auftreten und eine bodenlose Frechheit… Und dann gibt es noch die, die einen Auftrag schreiben und dann einige Zeit später – Tage oder auch Wochen später – eine Mail schreiben mit dem Inhalt „ich möchte es doch nicht haben“… Hä?! Sie waren stundenlang bei uns auf dem Messestand / ich habe Ihnen jedes Teil angezogen bei 35 Grad / Sie waren total begeistert / unsere Getränke uns unser Essen haben Ihnen geschmeckt / keiner hat Sie zu einem Kauf gezwungen, Sie haben das aus freien Stücken getan … Stellt euch vor, ihr bestellt bei eurem VW-Händler ein Auto und eine Woche später ruft ihr da an und sagt – war nur Spass, ich möchte das Auto doch nicht. Der wird euch was erzählen…

So, jetzt hab ich mich aber genug aufgeregt. Ich hoffe, ich konnte euch mal ein bisschen vermitteln, wie es (wirklich) so auf den Messen zugeht. Aber glaubt mir, es gibt auch schöne Momente 🙂

Ich wünsche euch weiterhin einen tollen Sommer! Bleibt modisch…

Eure Arlette

Discussion about this post

  1. Marita Bühler sagt:

    …dein Blick hinter die Kulissen ist seeehr deprimierend zu lesen und ich glaube, dass die Personen, die es betrifft und die sich eigentlich wiedererkennen sollten, das entweder gar nicht lesen und schon gar nicht einsichtig werden…
    mich interessieren mal die schönen Momente! Da bin ich sehr gespannt, das zu lesen…
    Ganz liebe Grüße 😍🤗

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